Über NS-Boys und HooNaRa hinaus gibt es einige an sich unpolitische Fangruppierungen, bei denen vereinzelt Kameradschaftsaktivsten mitwirken. Durch gemeinsame Reisen mit rechten Fans zu Auswärtsspielen und der fehlenden Distanz großer Teile der Fanszene kommen junge Fußballfans oft früh in Kontakt mit neonazistischem Gedankengut. Stadionchoreografien reichen häufig nah an rechtliche Grenzbereiche heran, wie z.B. beim Zeigen roter Fahnen mit weißem Kreis (Nationalflagge des Dritten Reiches mit fehlendem Hakenkreuz) während eines Auswärtsspieles beim FC St. Pauli im April 2006. Viele junge, fast ausschließlich männliche Fußballfans finden Gefallen an den neonazistischen Provokationen und nehmen daraufhin mit den NSC an Demonstrationen teil.

Einer von ihnen ist Chris J. Er nimmt seit vielen Jahren an rechten Veranstaltungen teil und wurde 2014 an die Stelle des bisherigen Vorsängers der vermeintlich unpolitischen Ultras 99 gesetzt. J. posierte gleichzeitig auf einem Foto von einem Fußballturnier, das die Mannschaft des Chemnitzer FAN-Projekts zeigt. Die Initiative bemüht sich, jungen Fans durch Gewaltprävention und antirassistische Arbeit Alternativen zu rechtem Gedankengut aufzuzeigen. So scheint es in der Chemnitzer Szene nur schwer möglich zu sein, Fankultur unbehelligt von rechten Einflüssen leben zu können. Dennoch kann das Chemnitzer FAN-Projekt noch als Lichtblick in der Fanszene gesehen werden. Das Projekt bemüht sich, den Jugendlichen durch Gewaltprävention und antirassistische Arbeit Alternativen zu menschenverachtenden und rassistischen Gedankengut aufzuzeigen.

Obwohl der Chemnitzer FC bemüht ist, mit verschiedenen Projekten die Neonazis in der Fangemeinde zurückzudrängen, gibt es weiterhin starke rechte Tendenzen innerhalb der Fangruppierungen und eine gewisse Ohnmacht seitens des Vereins. Trotz Verbots politischer Symbole im Stadion kam es wiederholt zum Entrollen des Transparentes „Chemnitzer Fußballclub – Deutsche Jugend – Ehre, wem Ehre gebührt“. Darüber hinaus wurde bereits mehrmals neonazistische Propaganda seitens der NPD vor dem Stadion verteilt. Auch hiergegen wusste der Fußballverein augenscheinlich nichts zu unternehmen. Am Abend nach einem Spiel gegen den FC St. Pauli im Jahr 2010 kam es zu einem Überfall durch ca. 50 schwarz gekleidete und vermummte Personen auf eine Party im ehemaligen alternativen Wohn- und Kulturprojekt Reitbahnstraße 84. Die mit Glasflaschen und Baseballschlägern bewaffneten Angreifer schlugen so hart zu, dass zwei Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Diese Seite wurde zu zuletzt am 27. Februar 2015 bearbeitet.

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