Ähnlich wie bei der NPD sind auch bei PRO CHEMNITZ Strategien zu beobachten, sich Themen der „Mitte“ oder der „Linken“ – etwa in den Bereichen Familienpolitik, Natur- und Umweltschutz, Kritik an der Globalisierung oder am Krieg – anzueignen und diese entsprechend umzudeuten. Es wird versucht, sich moderat zu geben, um an Argumentationen der „Mitte“ anschließen zu können und das dahinter liegende Weltbild zu verklären. In diesem Zusammenhang wird auch oft angenommen, dass die „rechtsextremen Parteien“ dies tun würden, um mehr „WählerInnen“ für sich zu gewinnen. Teilweise mögen diese Einschätzungen zutreffen. Die Lesart der „Aneignung“ birgt jedoch auch die Gefahr, dass das Auftreten und der Einfluss der AgitatorInnen auf die Diskurse in der Gesellschaft unterschätzt bzw. die Schnittmengen und Übereinstimmungen mit einer sich demokratisch glaubenden „Mitte“ ignoriert werden.

Ein genaueres Hinsehen zeigt sehr wohl, dass die Auswahl und Aufbereitung der „angeeigneten“ Themen der üblichen nazistischen und rassistischen Logik entsprechen. Daher reicht es auch nicht aus, Neonazis und ihre GesinnungspartnerInnen zu ignorieren oder zu belächeln, wenn sie wieder mal einen „linken“ Gedanken aufgreifen, sondern es sollte bedacht werden, dass eine Vielzahl gesellschaftspolitischer Themen von neurechten und neonazistischen Kreisen aufgegriffen und in die eigene Ideologie integriert werden kann. Im Unterscheid zur NPD nimmt PRO CHEMNITZ zum Nationalsozialismus eine distanzierte oder schweigende Haltung ein. Mit der Rede vom „Volkstod“ oder den „Völkermassen fremder Ethnien, die ins Land geholt werden,“ schließt PRO CHEMNITZ indes an die völkisch nationalen Diskurs der NPD an, die für ein „Sachsen ohne Multi-Kulti“ und den Erhalt der „Heimat“ eintritt.

In letzter Zeit engagiert sich PRO CHEMNITZ verstärkt gegen Flüchtlinge und organisiert dazu Kundgebungen, auf denen regelmäßig Martin Kohlmann spricht. PRO Chemnitz unterstützt außerdem – wie die AfD – die Dresdner Anti-Islambewegung Pegida.

Strategisch gesehen kann PRO CHEMNITZ als ein Beispiel für die Vielzahl anderer „Bürgerbewegungen“ gesehen werden (z.B. PRO NRW und PRO Köln), die sich in den letzten Jahren vermehrt gegründet haben. Diese mobilisieren, bisher noch erfolgreicher als in Chemnitz, u.a. für den Erhalt der „deutschen Kultur“, die Zurückweisung von MigrantInnen und gegen eine angebliche „schleichende Islamisierung“.

Diese Seite wurde zu zuletzt am 2. März 2015 bearbeitet.

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