Anfang März 2012 eröffnete ein weiterer Laden in Chemnitz, der die bei Neonazis beliebte Marke Thor Steinar verkauft. An einer Seitenstraße des Brühls gelegen, wurde ihm zunächst der Name Brevik gegeben. Aufgrund der Namensähnlichkeit zum norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya insgesamt 77 Menschen tötete, kam es zu massiven Protesten in der Chemnitzer Zivilgesellschaft und einem Aufschrei sogar in internationalen Medien. Nur eine Woche später wurde der Laden in Tønsberg umbenannt. Die mediale Präsenz, die vermeintliche Einsicht, mit dem Namen keine falschen Assoziationen geweckt haben zu wollen und die damit verbundene scheinbare Rehabilitation des Ladens hatten vermutlich keinen negativen Einfluss auf seinen Geschäftsstart. Möglicherweise war das sogar gewollt: Wie die Freie Presse recherchierte, verhandelte Ladenbetreiber Matthias P. unter der gleichen E-Mail-Adresse mit dem Vermieter, mit der er auch als „besorgter Familienvater“ an die Zeitung schrieb und sich über den Namen echauffierte.

Tønsberg gehört zu einer Kette von weiteren Ladengeschäften der Firma Mediatex GmbH, die hier ausschließlich ihre Eigenmarke Thor Steinar verkauft. Matthias P. fungiert hier als Franchisenehmer. Er wurde in der Vergangenheit bereits als Inhaber der rechten Kleidungsmarke Skaldenburg bekannt. Skaldenburg macht aus seinen Motiven im Gegensatz zu Thor Steinar keinen Hehl: Hier kann man zwischen eindeutigen Motiven wie „AG Weitwurf“ mit der Abbildung einer Handgranate oder „Biker im Dienst“ mit dem Bild von zwei Wehrmachtssoldaten auf einem Motorrad wählen.

Da der Laden auch der Stadt Chemnitz ein Dorn im Auge ist, wurde bereits Kontakt zum Hauseigentümer aufgenommen, einem 69-Jährigen aus dem bayrischen Landshut. Von einer Klage, wie sie in anderen Städten bereits Kündigungen erzwingen konnte, sah er allerdings ab. Beispielsweise in Magdeburg hatte der Betreiber den geplanten Verkauf von Thor Steinar im Mietvertrag verschwiegen und konnte wegen arglistiger Täuschung fristlos gekündigt werden.  Dies war im Chemniter Fall jedoch nicht so, weshalb eine Klage nur wenig Aussicht auf Erfolg hätte.

Das Bündnis Bunter Brühlführt unterdessen seinen Protest, der kurz nach der Eröffnung begonnen hatte, kontinuierlich weiter. Bisherige Höhepunkte der Proteste gegen den neuen Laden waren ein Straßenfest am 16. Juni und eine Demonstration am 16. März 2012 unter dem Motto „Bunt statt Braun“. Ende 2013 gab es weitere Protestaktionen. Mittlerweile scheint es um den Laden ruhig geworden zu sein.

Hierbei wurde offensichtlich, dass Tønsberg nicht losgelöst von rechten Strukturen als unpolitisches Geschäft, welches sich nur der Nachfrage beugt, gesehen werden kann: Scheinbar waren Mitglieder der Nationalen Sozialisten Chemnitz angeheuert worden, die sich vor dem Haus postierten, wohl um den Laden zu schützen.

Diese Seite wurde zu zuletzt am 27. Februar 2015 bearbeitet.

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